Stumpf- und Phantomschmerzen

Gute Behandlungsmöglichkeiten durch Krankengymnastik und Ergotherapie

Gegen den Stumpfschmerz

In der Zeit nach der Operation besteht nach Amputationen häufig das Risiko von Wundheilungsstörungen und auch Infektionen. Deshalb ist eine tägliche Wundkontrolle sehr wichtig. Auf Rötungen des Stumpfes und Schmerzen muss sofort reagiert werden. Auch ist es sehr wichtig, den Stumpf mit einer gewissen Kompression zu bandagieren. Physikalische Therapie, Krankengymnastik und Ergotherapie sollten möglichst gleich im Anschluss an die Operation beginnen.

Da der Körper nach einer Amputation plötzlich nicht mehr vollständig ist, wird beim Patienten auch eine innere Umstellung erforderlich. In vielen Fällen hilft das vertrauensvolle Gespräch zwischen Arzt und Patient, manchmal ist es auch sinnvoll, einen Psychologen hinzuzuziehen.

Der Arzt unterscheidet zwischen dem Phantomschmerz und dem Phantomgefühl. Unter Phantomschmerzen versteht man kurz einschießende Schmerzen im Bereich des nicht mehr vorhandenen Extremitätenteils. Es kann auch ein Schmerz auftreten, wie er bei einer starken

Quetschung oder einem Abriss beim Unfall vorhanden war. Die Phantomfinger können dann z. B. krallen, brennen oder jucken. Der Phantomschmerz kann anfallsweise oder auch andauernd auftreten.

Das Phantomgefühl dagegen ist als ganz normal anzusehen. Bei einem Phantomgefühl werden beispielsweise noch die Finger der amputierten Hand gespürt. Sie lassen sich auch vermeintlich bewegen. Bei geschlossenen Augen können die Patienten auch sagen, wie sie diese Hand gerade halten.

Nur wenige Patienten leiden auf Dauer unter Phantomschmerzen. Kommt es zu solchen Schmerzen, so gibt es verschiedene  Möglichkeiten der Behandlung. Sehr häufig findet man bei traumatisch amputierten Patienten zu lange Nervenenden, die dann gewissermaßen auf dem Knochen „reiten“. Solche Probleme können häufig durch eine operative Stumpfkorrektur durch Kürzung der Nerven und Gefäße behoben werden.

Andere Möglichkeiten – gerade nach einer Operation – sind lokale Schmerzblockaden sowie eine medikamentöse Behandlung mit Calzitonin-Infusionen. Des Weiteren bringt auch ein korrektes Wickeln des Stumpfes mit mildem Druck einen deutlichen Rückgang der Phantomschmerzen.

Durch spezielle Krankengymnastik und ergotherapeutische Maßnahmen lässt sich der Phantomschmerz meistens gut behandeln. Auch physikalische Therapien zeigen gute Wirkungen. Schließlich kann auch das Tragen einer Prothese zur Linderung beitragen.

Besonders das intensive Nutzen von myoelektrischen Prothesen unterstützt das Gehirn, sich an die veränderte Situation anzupassen.

Dr. med Hartmut Stinus, Orthopäde, Northeim


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