Pilot der „Air Force Two“ erhält dank C-Leg seine Fluglizenz zurück.




Plötzlich ist das Leben wie ein Sturzflug aus heiterem Himmel: Motorradunfall, Bein gebrochen, hartnäckige Infektionen. Nach 18 Operationen bleibt nur noch die Alternative, entweder das Bein oder den Traumberuf als Pilot der US Air Force zu verlieren.
Andrew Lourake, der mit der Präsidentenmaschine „Air Force Two“ Kongressabgeordnete und Politprominenz von Hillary Clinton bis Al Gore um die Welt geflogen hat, folgt nach langen Gesprächen mit seiner Frau Lisa dem Rat der Ärzte und entscheidet sich für die Amputation. Mit einem steifen Bein würde er nie wieder eine Flugerlaubnis erhalten. Wie soll er in kürzester Zeit vom Cockpit die Notausgänge erreichen? Wie will er sich bei Turbulenzen sicher im Flugzeug bewegen, wenn der Boden vibriert, schwankt oder sich neigt?
Für seinen Entschluss nennt er einen Punkt als ausschlaggebend: „Dass ich von den Möglichkeiten des C-Leg wusste“. Andrew Lourake setzt all seine Hoffnungen in die Highend-Prothese von Otto Bock als er sich in St. Antonio/Texas den Pilotentests unterzieht. Ein Flugzeug technisch sicher zu beherrschen, hat er nie verlernt. Die Air Force unterstützte ihn und erlaubte ihm, am Flugsimulator in Übung zu bleiben. Aber wird Andrew auch die körperlichen Belastungstests meistern?
Fast auf den Tag sechs Jahre nach dem Motorradunfall landet ein C-20 Gulfstream auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews in Maryland. Eine Heerschar von Journalisten ist gekommen, um den ersten Menschen zu interviewen, der oberschenkelamputiert von der US Air Force die Verantwortung für Passagiere übertragen bekommen hat.
Bis Andrew Lourake an diesem 7. November 2004 auf der Gangway erscheint, richten sich die Kameraobjektive auf ein kleines Schild im Seitenfenster des Cockpits: Andrew Lourakes Behinderten-Parkausweis. Dieser Gag geht als Foto um die Welt. Die eigentliche Botschaft aber, die eine ganze Nation bewegt und von den Kameraden enthusiastisch gefeiert wird, lautet: Andrew is back.
Der Medienrummel ist groß, aber Andrew hebt nicht ab. Er beginnt, sich am Walter Reed Army Medical Center in Washington um US-Soldaten zu kümmern, die, überwiegend aus dem Irak, mit schwersten Verletzungen heimgekehrt sind.
Während er Zeit gehabt hat, sich mit der Amputation bewusst auseinander zu setzen und sich vorher über die Möglichkeiten zu informieren, haben die Menschen, die er jetzt betreut, oft erst wenige Tage zuvor Gliedmaßen verloren. Manche von ihnen sind nach Bombenexplosionen noch traumatisiert. Sie sind völlig unvorbereitet. „Aber das ist nicht anders als bei Opfern von irgendwelchen Autounfällen irgendwo auf der Welt“, sagt Andrew Lourake, „von einem Augenblick auf den nächsten wird man mit der Angst konfrontiert, dass nichts im Leben mehr so sein wird wie früher.“
Nach einem Besuch der Otto Bock HealthCare in Duderstadt unternahmen Andrew und Lisa Lourake einen Spaziergang durch die Stadt. Auf einer Aussichtsplattform der mittelalterlichen Stadtmauer spricht Andrew über die psychologische Betreuung der versehrten Soldaten. „Ich will ihnen Mut machen“. Er stellt sich als Hoffnungsträger zur Verfügung, als lebender Beweis dafür, dass man mit einem C-Leg wieder mitten im Leben stehen kann.
Hoffnung ist für die Betroffenen in der Talsohle ihrer Lebenswege entscheidend. Diese Hoffnung fundiert zu begründen, ist der Sinn unserer Technologie für Menschen.
