05.10.2016

Arthrose im Knie – das Risiko steigt mit dem Alter

Wie sie entsteht. Was hilft. Wie man vorbeugen kann.

Die Arthrose ist eine weit verbreitete Gelenkerkrankung. Sie tritt häufig bei älteren Menschen auf, im Alter von 65 bis 70 Jahren hat sie fast jeder. Von einer Arthrose spricht man, wenn die Knorpelschicht eines Gelenks abnutzungsbedingt angegriffen oder zerstört ist. Die Beweglichkeit des Gelenks wird eingeschränkt und es kommt zu Entzündungen und Schmerzen.

Arthrose gibt es zum Beispiel im Ellenbogen, in der Schulter, in der Hüfte und sogar im Kiefergelenk oder im Daumen. Am häufigsten findet sich der Gelenkverschleiß jedoch in den Beinen und hier speziell im Knie – einfach deshalb, weil dieses Gelenk das Körpergewicht tragen muss und daher leichter verschleißt. Bei einer Kniearthrose spricht der Fachmann dann von einer Gonarthrose.

Das weit verbreitete Krankheitsbild der Kniearthrose ist nicht heilbar. Dennoch lassen sich die Beschwerden durch bestimmte Maßnahmen erheblich lindern.

Einer der wichtigsten Punkte bei der Kniearthrose ist eine gesunde Lebensführung: Dazu zählt in vielen Fällen die Gewichtsabnahme, denn jedes Kilo weniger bringt dem Knie spürbare Entlastung. Eine ausgewogene Ernährung mit Salaten, Gemüse, Fisch und kalt gepressten Ölen ist ebenfalls hilfreich, auf Alkohol und Nikotin sollte nach Möglichkeit komplett verzichtet werden. Gelenkspezifische Übungen (Physiotherapie und Sport) erhalten darüber hinaus die Beweglichkeit des Kniegelenks und stärken die Muskulatur. Manche empfehlen auch spezifische Nahrungsergänzungsmittel, die die Zerstörung des Knorpels aufhalten sollen.

Was viele nicht wissen: Betroffenen kann mit orthopädischen Hilfsmitteln wie Orthesen und Bandagen wirkungsvoll geholfen werden. Sie werden von außen an Knie oder Bein angelegt und können schmerzlindernd wirken. Der Unterschied zwischen Bandagen und Orthesen ist fließend. Generell kann man sagen, dass bei Bandagen eher textile Materialien verwendet und bei Orthesen vermehrt stabilisierende Materialien verarbeitet werden. Eine Knieorthese entlastet das Kniegelenk und kann so das Fortschreiten einer Arthrose verlangsamen. Zudem haben viele Betroffene deutlich weniger Schmerzen.

Neu auf dem medizinischen Markt ist eine Gonarthrose-Orthese von Ottobock mit einem sehr innovativen Wirkprinzip. Die Agilium Freestep wird nicht wie bisher üblich am Knie getragen, sondern an Fuß und Unterschenkel*. Die Orthese überbrückt das Sprunggelenk und beeinflusst die Abrollbewegung des Fußes während des Gehens. Dadurch wiederum verschieben sich die Kräfte, die auf das Knie wirken. Das Kniegelenk wird entlastet und die Schmerzen lassen nach. Bei vielen Patienten, die diese Orthese tragen, kann so eine Operation hinausgezögert beziehungsweise komplett vermieden werden. Ein weiterer Vorteil der Agilium Freestep ist, dass sie die Bewegungsfreiheit am Knie nicht einschränkt. Beim Sitzen entstehen keine unangenehmen Einschnürungen im Wadenbereich und auch sonst behindert die Orthese den Träger während des Tages in keiner Weise: Sie ist schlank, hat nur ein geringes Gewicht und sie ist einfach an- und abzulegen.

All diese Maßnahmen – Orthesen, Bandagen, Physiotherapie, Nahrungsergänzungsmittel – haben eines gemeinsam: Der Patient kann testen, ob sie ihm helfen. Wenn er beispielsweise mit einer Orthese unzufrieden ist, kann er die Orthese ablegen und der Ursprungszustand ist wieder vorhanden. Gemeinsam mit seinem behandelnden Arzt kann er neu entscheiden, wie die Behandlung weiter geht. Anders ist das bei einer Operation, bei der das Kniegelenk teilweise ersetzt oder ersetzt wird: diese ist unumkehrbar. Deshalb sollte diese Operation immer die letzte Option sein, wenn zuvor keine der beschriebenen Entlastungen zum Erfolg führen.

* in der Fachsprache wird dann von einer sogenannten AFO (= Ankle Foot Orthosis / Fuß-Sprunggelenk Orthese) gesprochen.