Armamputation und Rehabilitation

Nach einer Amputation finden Sie sich in einer neuen Situation wieder. Wie Ihr Leben in Zukunft aussehen wird, hängt zum großen Teil von Ihnen ab. Der Rehabilitationsprozess selbst dauert in der Regel bis zu einem halben Jahr.

Faktoren, die den Rehabilitationsprozess beeinflussen können, sind zum Beispiel Stumpfveränderungen oder eine Zu- oder Abnahme des Körpergewichts, aber auch Wohnort, Familie, Angehörige, Freunde, Alltagsumgebung und Beruf.


Vor der Amputation

Möglicherweise wissen Sie schon seit Längerem, dass eine Amputation auf Sie zukommt. Auch wenn dieses Wissen sehr belastend ist – Sie sind in diesem schwierigen Lebensabschnitt nicht auf sich allein gestellt. Ihr Behandlungsteam wird Sie unterstützen und für Ihre Fragen und Probleme offen sein.

Erste Untersuchungen

Vor der Operation werden Sie im Krankenhaus mehrmals genau untersucht: Zu diesen Untersuchungen gehören Blutanalysen, eine Röntgenaufnahme der Lunge und die Überprüfung der Herz-Kreislauf-Funktionen.

Gespräche mit Ärzten

Vor der Amputation werden Ihnen die zuständigen Ärzte erklären, was bei der Operation geschieht. Zudem werden sie mit Ihnen ausführlich über die Zeit danach reden. Bei diesen Gesprächen haben Sie die Gelegenheit, alles zu fragen, was Sie als wichtig erachten. Am besten machen Sie sich vor den Gesprächen Notizen, was Sie die Ärzte fragen möchten, damit Sie nichts vergessen. Scheuen Sie sich nicht davor nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Ärzte sind übrigens dazu verpflichtet, es Ihnen auch mehrmals zu erklären. Im Gegensatz zu einer geplanten Amputation ist bei einer schweren, durch einen Unfall verursachten Verletzung häufig eine schnelle Operation notwendig. In solchen Fällen finden die Arztgespräche verständlicherweise erst nach der Amputation statt.

Gezielte Vorbereitungen

Wenn möglich, sollten Sie bereits vor der Operation mit Übungen beginnen, die für die spätere Rehabilitation wichtig sind. Dadurch können Sie schon vorab Ihre Muskulatur kräftigen. Das zeitige Trainieren solcher Tätigkeiten kann Ihnen die Zeit nach der Operation erheblich erleichtern. Fragen Sie Ihren Arzt und Ihren Physiotherapeuten, welche Übungen für Sie die richtigen sind.

Zudem ist es hilfreich, wenn Sie bereits vor der Amputation mit einem Orthopädietechniker besprechen, welche Prothesen später für Sie in Frage kommen bzw. welche nicht. So bekommen Sie eine bessere Vorstellung dessen, was Sie während Ihrer Rehabilitationszeit erwartet.

Psychologische Betreuung

Eine Amputation bedeutet einen Einschnitt in Ihrem Leben, der Sie innere Kraft kostet. Nutzen Sie deshalb die Möglichkeit, psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Mit psychologisch geschulten Therapeuten können Sie vieles besprechen und enlasten so Ihre Familie und Freunde. Aus diesen Gesprächen können Sie auch viel Kraft für den neuen Lebensabschnitt schöpfen. Je früher Sie diese Unterstützung annehmen, desto besser, denn auch die Bewältigung von seelischen Konflikten und Ängsten trägt zur raschen Genesung und zu neu gewonnener Lebensqualität bei. Zudem kann eine Amputation – verbunden mit Angst – zu Depressionen führen. Und diese gilt es zu vermeiden.

Gespräche mit anderen Amputierten

Zudem können wir nur raten, sich mit Menschen zu unterhalten, die eine ähnliche Amputation oder eine ähnliche Krankheit haben, wie Sie selbst. Mit jemandem zu reden, der bereits eine Amputation hinter sich hat, macht Mut – Sie sind nicht allein. Es ist gut zu hören, wie es anderen in einer vergleichbaren Situation ergeht und von welchen Veränderungen in ihrem Leben (auch positiven!) sie berichten. Häufig werden auch Tipps – zum Beispiel zum Umgang mit der Prothese – ausgetauscht.

Wenn Sie Kontakt zu anderen Betroffenen suchen, wenden Sie sich am besten an Ihre Ärzte, Therapeuten oder Orthopädietechniker. Sie wissen meist, wohin Sie sich wenden können.

Amputationshöhe

Hier möchten wir Sie darüber informieren, was unter dem Begriff Amputation zu verstehen ist, welche Formen dabei unterschieden werden und welche Ursachen eine Amputation notwendig machen können.

Was bedeutet Amputation und warum wird amputiert?

Als Amputation bezeichnet man die Durchtrennung eines Knochens im gesunden Gewebe oder eine Abtrennung eines Körperteils im Gelenk (Exartikulation).

Eine solche Amputation ist notwendig, wenn eine Heilung eines kranken Körperteils nicht zu erwarten und dadurch das Leben des Patienten gefährdet ist. Ursachen dafür können beispielsweise Durchblutungsstörungen, Infektionen, Unfälle, Krebserkrankungen oder eine angeborene Fehlbildung der Gliedmaßen sein.

Amputationshöhe

Mit dem Begriff Amputationshöhe beschreibt man die Stelle, an der ein Körperteil amputiert wird. Neben anderen Faktoren entscheidet auch die Amputationshöhe über die jeweils geeignete Prothese.

Die Amputationshöhe wird vor der Operation vom Arzt festgelegt und richtet sich nach dem Grund für die Amputation. Bei geplanten Eingriffen wird meistens auch ein Orthopädietechniker zu Rate gezogen, um mit ihm zu klären, welche Amputationshöhe für die nachfolgende Versorgung mit einer Prothese die geeignete ist.

Hand- / Fingeramputation

Bei einer Handamputation wird die gesamte Hand bis zum Handgelenk amputiert. Bei der Amputation ein oder mehrerer Finger spricht man von einer Fingeramputation. Alle Eingriffe zwischen der Finger- und Handamputation werden als Teilhandamputation bezeichnet.

Als prothetische Versorgung können individuelle Finger- und Teilhand-Prothesen das äußere Erscheinungsbild bis ins kleinste Detail wiederherstellen.

Handgelenkexartikulation

Bei der Exartikulation wird die Hand im eigentlichen Handgelenk abgenommen, damit geht die Beweglichkeit des Handgelenks verloren. Meist kann dennoch der Prothesenschaft auf den Unterarm beschränkt bleiben.

Für die prothetische Versorgung werden eine Prothesenhand sowie Adapter und Verbindungselemente zum Prothesenschaft benötigt. Der Schaft ist jener Teil einer Prothese, der die Verbindung zum Stumpf herstellt.

Unterarmamputation

Bei der transradialen Amputation, also einer Amputation im Bereich des Unterarms, unterscheidet man lange, mittellange, kurze und ultrakurze Unterarmamputationen.

Für die prothetische Versorgung werden eine Prothesenhand sowie Adapter und Verbindungselemente zum Prothesenschaft benötigt.

Ellbogenexartikulation

Bei einer Ellbogenexartikulation wird der Ellbogen durchtrennt und somit der Unterarm abgetrennt. Der Oberarm bleibt dabei meist vollständig erhalten.

Für die prothetische Versorgung werden eine Prothesenhand, ein Ellbogengelenk sowie Adapter und Verbindungselemente zum Prothesenschaft benötigt.

Oberarmamputation

Bei der transhumeralen Amputation, also der Amputation im Oberarmbereich, wird der Oberarmknochen durchtrennt. Hierbei unterscheidet man in kurze, mittellange und lange Oberarmamputationshöhen.

Für die prothetische Versorgung werden eine Prothesenhand, ein Ellbogengelenk sowie Adapter und Verbindungselemente zum Prothesenschaft benötigt.

Schulterexartikulation

Bei einer Schulterexartikulation erfolgt die Amputation im Bereich des Schultergelenks.

Für die prothetische Versorgung werden eine Prothesenhand, ein Ellbogengelenk, ein Schultergelenk sowie Adapter und Verbindungselemente zum Prothesenschaft benötigt.

Schultergürtelamputation

Bei einer Schultergürtelamputation werden der gesamte Arm und Teile der Schulter bis zum Schultergürtel amputiert.

Für die prothetische Versorgung werden eine Prothesenhand, ein Ellbogengelenk, ein Schultergelenk sowie Adapter und Verbindungselemente zum Prothesenschaft benötigt.

Kosmetik

Gut zu wissen: Jede Prothese lässt sich durch einen sogenannten Prothesenhandschuh verkleiden, so dass sie optisch kaum auffällt.

Und für alle Amputationshöhen gilt: Individuelle Armprothesen, z.B. aus Silikon, können das äußere Erscheinungsbild wiederherstellen und, abhängig von der Amputationshöhe, auch passive Funktionen erfüllen. Sie zeichnen sich durch ein geringes Gewicht und eine unkomplizierte Handhabung aus.

Nach der Amputation

Direkt nach der Operation stehen Ihre Genesung und die Heilung des Stumpfs im Vordergrund. Beides ist wichtig, damit Sie bald mit der Rehabilitation beginnen und mit einer Prothese versorgt werden können.

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Prothetische Versorgung

Nach Ihrer Amputation sollten Sie mit der für Sie optimalen Prothese versorgt werden. Welche Prothese für Sie in Frage kommt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Einfluss auf die Auswahl der für Sie geeigneten Prothese haben zum Beispiel Ihre körperliche Fitness und Gesundheit, die Amputationshöhe, Ihre Ansprüche an die Prothese und Ihr berufliches und privates Umfeld. Ihr Orthopädietechniker berät Sie bezüglich all dieser Aspekte und Sie wählen gemeinsam mit ihm die Prothese und die entsprechenden Passteile aus.

Prothesen

Wie in der Medizintechnik generell dient auch bei der Weiterentwicklung von Prothesen die Natur als Vorbild, dem sich die modernen Hightech-Prothesen Schritt für Schritt immer mehr annähern. Dabei stellt vor allem die Sensibilität des Menschen eine Herausforderung dar, da sie nur schwer zu simulieren ist. Dennoch erfüllt Ihre Prothese viele unverzichtbare Funktionen: Sie stellt einen großen Teil Ihrer Mobilität wieder her und trägt dazu bei, dass Sie Ihren Alltag ohne fremde Hilfe bewältigen können. Durch das Tragen Ihrer Prothese vermeiden Sie Haltungsschäden oder Gleichgewichtsstörungen, die aufgrund des fehlenden Gewichts Ihres amputierten Armes entstehen können. Darüber hinaus verhindern Sie durch das Tragen Ihrer Prothese, dass Ihr erhaltener Arm überlastet und langfristig beeinträchtigt wird.

Interimsprothese

Bei der sogenannten Interimsprothese handelt es sich um eine Übergangsprothese, die Ihr Orthopädietechniker für Sie anfertigt und die Sie tragen, bis die endgültige Prothese angepasst werden kann. Eine Interimsprothese kann den Therapieverlauf günstig beeinflussen und die Indikation zur endgültigen Versorgung erleichtern. So lernt Ihr Orthopädietechniker Ihre individuellen Bewegungsabläufe kennen und erhält so wichtige Hinweise, welche Prothesenpassteile für Sie die geeigneten sind. Daraufhin passt er den Prothesenschaft an und stellt zum Schluss die Prothese präzise auf Ihre Bedürfnisse ein.

Ihr Orthopädietechniker

Wenn der Armstumpf abgeheilt ist und Sie sich wieder in einer guten körperlichen Verfassung befinden, beginnt die Versorgung mit Ihrer endgültigen Prothese. Allerdings wird Ihr Orthopädietechniker Sie schon vorher begleiten und Ihnen zunächst einige Fragen stellen, um auf Ihre Bedürfnisse und Wünsche eingehen zu können. Wenn Sie es wünschen oder Ihr Orthopädietechniker es für notwendig hält, wird zudem ein Arzt Ihre Versorgung begleiten.

Wichtig für die Auswahl der richtigen Prothese ist auch der Myotest und das Myotraining, um festzustellen, ob Sie in der Lage sind, eine myoelektrische Armprothese zu kontrollieren. Nach diesen ersten Untersuchungen wird Ihnen Ihr Orthopädietechniker verschiedene Versorgungsmöglichkeiten vorschlagen und diese mit Ihnen besprechen. Dabei sind drei Themen von zentraler Bedeutung:

  • Die Passteilauswahl
  • Der Prothesenschaft
  • Der Prothesenaufbau

Erst wenn alle drei Themen hinreichend ausdiskutiert sind und die Ergebnisse Ihren Anforderungen und denen des Rehabilitationsteams entsprechen, geht es einerseits an die Anpassung des Schafts, andererseits wählt Ihr Orthopädietechniker die Prothesenpassteile aus. Danach kann die Prothese fertig gestellt werden, d. h. die Prothese wird endgültig gefertigt und erhält eine kosmetische Verkleidung.

Nutzen Sie unsere Händlersuche, um einen Orthopädietechniker in Ihrer Nähe zu finden.

Prothesenaufbau

Wenn der Schaft nach mehreren Anproben seine richtige Passform erreicht hat und die Prothesenpassteile ausgewählt sind, werden Schaft und Passteile zusammengebaut. Dieser Prothesenaufbau kann von Anwender zu Anwender variieren, da zum Beispiel Körperhaltung und -größe mit hineinspielen.

Ihr Orthopädietechniker orientiert sich beim Aufbau der Prothese an den Ergebnissen der Untersuchungen und auch an gegebenen Richtlinien.

Rehabilitation

Wenn die Stumpfwunde gut heilt, beginnt einige Wochen nach der Operation die eigentliche Rehabilitationsphase. Sie dauert in den meisten Fällen bis zu einem halben Jahr.

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