Heinrich Popow

Aus einem Schlüsselsatz im Leben von Heinrich Popow ist sein persönliches Motto hervorgegangen: „Immer etwas mehr als andere.“ Als der neunjährige Heinrich in Bonn im Krankenhaus lag und auf die knochenkrebsbedingte Oberschenkel-Amputation wartete, erhielt er unerwartet Besuch von einem Mann, der ihm versprach, er könne später sogar weiter Sport treiben: „Du kannst alles wieder machen. Du musst dich nur etwas mehr anstrengen als andere.“ Dann hob der Mann sein Hosenbein, zeigte seine Prothese und erzählte dem Jungen, wer er ist. Arno Becker, paralympischer Radrennfahrer, 1990 Deutscher Meister im Einzelzeitfahren.

Für Heinrich ist klar: „Ich betreibe Sport nicht trotz, sondern wegen meiner Behinderung. Durch den Sport fühle ich mich auch im Alltag nicht als Behinderter.“

Heinrich ist mittlerweile selber Orthopädietechniker. In diesem Beruf profitiert er auch von dem Erfahrungsschatz, den er in der stetigen und engen Zusammenarbeit mit der Entwicklungsabteilung von Ottobock gewonnen hat. In Produkte für den Alltag wie auch für die individuelle Versorgung von Freizeit- und Leistungssportlern sind seine praktischen und theoretischen Kenntnisse und sein fachmännisches Feedback vielfach eingeflossen.

Besonders am Herzen liegt Heinrich Popow, mehr Menschen den Weg zum Sport zu öffnen. „Lauf nicht, läuft nicht“, setzt er dagegen, wenn potenziellen Neueinsteigern die notwendige Unterstützung verwehrt wird. Weltweit ist er mit den Running Clinics unterwegs, Lehrgänge, die physisch und psychisch insbesondere Anfängern helfen, mit Sportprothesen ihr Leistungspotenzial weiter auszuschöpfen. 2015 veranstalteten der Deutsche Behindertensportverband und Ottobock gemeinsam in Duderstadt die Talent Days, bei denen sich Heinrich voll und ganz auf Kinder und Jugendliche konzentrierte. Dieses erfolgreiche Projekt wollen alle Beteiligten unbedingt fortsetzen.

Heinrich ist ein Sympathieträger, der sich auch über den Sport hinaus vielfältig engagiert: Er folgt Einladungen von Schulen zum Sportunterricht. Und er ist Ansprechpartner für das Bonner Krankenhaus und andere deutsche Kliniken, in denen junge Menschen vor der Amputation stehen. Mit ihnen über die Zukunft zu sprechen, so wie damals Arno Becker mit ihm, bedeutet Heinrich viel. Wenn sie aus der Reha-Klinik entlassen werden, lädt er sie nach Leverkusen ein. „Ich bringe ihnen bei, sich beim Gehen auf ihre Prothese zu verlassen. Dabei geht es nicht um sportliches Training.“ Noch nicht, wird es in dem einen oder anderen Fall vielleicht heißen.

Größte Wettbewerbserfolge:

Paralympische Spiele IPC-Weltmeisterschaften
Rio 2016 London 2012  
  • Weitsprung Gold
  • 100 m Gold
  • 200 m Bronze
  • 4 x 100 m Bronze
  • Lyon 2013: 100 m Gold, 200 m Bronze, Weitsprung Bronze
  • Christchurch 2011: 100 m Gold, Weitsprung Gold
  • Assen 2006: Weitsprung Bronze
  • Lille 2002: Weitsprung Bronze
Peking 2008 Athen 2004
  • 100 m Silber
  • 100 m Bronze
  • 200 m Bronze
  • Weitsprung Bronze

Wichtige Daten

Nationalität: Deutsch

Geburtsjahr: 1983

Sportart: Leichtathletik (100 m, 200 m und Weitsprung)

Klassifizierung: T42

Persönliche Bestleistungen:

100 m: 12,11 sec (aktueller Weltrekordhalter)

200 m: 25,90 sec

Weitsprung: 6,77 m (aktueller Weltrekordhalter)

Trainer: Karl-Heinz Düe

Heimmannschaft/-verein: TSV Bayer 04 Leverkusen

Karrierehöhepunkte: Gold über 100 m bei den Paralympischen Spielen 2012 in London

Gold im Weitsprung bei den Paralympischen Spielen 2016 in Rio mit Paralympischen Rekord

Ausrüstung:

Beim Sport: 3S80 und 1E91
Im Alltag: Genium X3

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